Herbert liest! – Folge 30 (Buchpreis Special „Fremde Seele, dunkler Wald“)

Was macht ein Booktuber, wenn er ohne seine technisch versierte Mitstreiterin in Urlaub fährt? Dann probiert er das Filmen mal ohne sie – das iPhone kann ja vieles – und macht dabei diverse Fehler, wie ihr hier sehen könnt…. Heute also live aus den Südtiroler Bergen eine Besprechung von Reinhard Kaiser-Mühleckers „Fremde Seele, dunkler Wald“. Sehr düster, sehr österreichisch und sehr gut geschrieben, aber ob dieser Roman es von der Longlist auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schafft, wage ich dennoch zu bezweifeln. Alle Titel der Liste unter Deutscher Buchpreis.

 

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9 Kommentare
  1. Anne-Marit sagte:

    Lieber ein Filmchen mit Fehlern, als ganz auf Dich verzichten. Wo ich mich doch auf jeden neuen Beitrag freue 🙂

  2. Johannes Bär sagte:

    Deine Kriterien für die Shortlist teile ich völlig! Auch Eva Schidts Roman, den ich gerade lese, quält sich/mich so dahin. Peter Stamm ist allerdings unbedingt lesenswert. Würde mich wundern,wenn der nicht auf der Shortlist landete!

  3. Almut Renger sagte:

    … Wolfkäppchen und das böse Rot, na ja, …

    aber die Dorfprostituierte, die zur Sektenführerin geworden ist — ha ha ha! —, das finde ich dann doch sehr amüsant. Die Unbeständigkeit des Glücks wird zum Heilsversprechen. Wie heißt sie? Maria Magdalena?

    Grüße nach Südtirol, klasse Stiefel!

    Deine Almut

    • jancak sagte:

      Sie heißt Elvira und daß sie die Dorfprostituierte war, habe ich gar nicht mitbekommen

  4. Johannes Bär sagte:

    Muss kurz mein Urteil über Eva Schmidts Roman zurecht rücken: So ab dem 11. Kapitel ergeben sich immer mehr Bezüge und im Leser (in mir) entwickelt sich ein Netz, das sich faszinierend weiterspinnt… Jetzt interessiert mich diese Welt mehr und mehr. Short cut-artig konstruiert.

  5. jancak sagte:

    Es ist auf die Shortlist gekommen, sowie auch auf die Longlist des österreichischen Buchpreises, den es heuer zum ersten Mal gibt und es ist von den fünfzehn deutschen LL-Büchern die ich bis jetzt gelesen habe, wahrscheinlich das dritte, das ich auf meine Liste, nach Sibylle Lewitscharoff und Thomas Mellehttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/09/13/die-welt-im-ruecken/, in dieser Reihenfolge darauf tun würde.
    Nun kann ich bei den Klischees, die die Deutschen über die Österreicher und die österreichische Literatur haben, als waschechte Wienerin nicht so mitreden, ich denke, es rennen in dem Buch aber keine misanthrophischen typisch österreichische Alpträume herum, sondern das, was wahrscheinlich in jeden Dorf, auch in den bayrischen und wahrscheinlich auch in denen in Schleswig-Hohlstein, etcetera, so passiert.
    Den Mord der da beschrieben wird, hat Rainer Kaiser-Mühlecker, wie er, glaube ich, bei einer Lesung https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/09/22/zweifache-longlisten-einfache-shortlistenlesung/ erwähnte, aus der Zeitung, in den Dörfern wird getrunken, geliebt, erbgeschlichen, Kinder werden unterschoben, etcetra und das passiert hier in einer relativ schlichte,n nicht sehr überhöhten Art und Weise und das ist es auch, was mir an dem Buch gefällt.
    Und daß es keine so durchkomponierte Handlung hat, wo alle dreißig Seiten ein unwahrscheinlicher Höhepunkt passiert, der im realen Leben völlig undenkbar wäre, finde ich auch sehr lobenswert.
    „Aus der Zeit gefallen!“, nannten die Kritiker auch das Talent des jungen Mannes und verglichen ihn mit Rosegger, was ihn, glaube ich, sehr störte.
    Mich hat seine einfache prägnante Sprache sehr beeindruckt und ich denke, das passiert ja auch im realen Leben, sowohl im Dorf, als auch in der Stadt, es wird geliebt, gelebt und gestorben und manchmal kommt auch eine Depression heraus, die einem sowohl ins Wirtshaus als auch zum lieben Gott führen kann!

    • Vielen Dank für den schönen Kommentar! Dazu fällt mir ein entschiedenes einerseits „Ja, Sie haben recht!“, andererseits „Aber ich will doch noch mehr von einem Buch“ ein. Ich selbst stamme aus einem kleinen Dorf und tatsächlich trifft der Roman in gewisser die Wirklichkeit eines solchen Dorflebens oder überhaupt des Lebens in vielerlei Hinsicht genau. Aber mir ist das dann fast zu dokumentarisch, für einen Roman fehlt mir eine Verdichtung oder Überhöhung oder wie immer man das nennen will. So sind da einfach so viele lose Enden. Ein Erzähler muss doch irgendwie eine Geschichte daraus machen, wobei das gar nicht übertriebene Höhepunkte oder Pointen sein müssen. Hinzu kommt: ich finde es einfach schwer, mich wirklich für diese Figuren zu interessieren, die da so irgendwie vor sich hinleben. Wenn man sich stärker auf die Innenperspektiven der Figuren eingelassen hätte, dann wäre es vielleicht auch weniger wichtig, daß im Außen bzw. auf der Handlungsebene viel passiert. Aber KM kann schreiben und Atmosphäre erzeugen, das stimmt.

      Zur Lewitscharoff hatten Sie auch schon einen Kommentar geschrieben, den ich vergessen habe zu beantworten. Ich schätze die Autorin ja eigentlich sehr, finde auch die verrückte Idee mit dem einfach-Wegfliegen prima, aber ich will keinen Roman lesen, der eigentlich einen Forschungsstand mir berichtet. Bis auf den Erzähler hat mich keine Figur interessiert, die 34 Forscher waren lauter papierene Wesen, die nur als Funktion für die Vorträge dienten. Ich finde, daß bei dem Roman das Konzept nicht trägt. Wenn man schon so einen fulminanten Schluß schreibt, dann muß man auch glauben, daß er aus dem Vorher der Handlung entsteht. Das muss sich doch auch aufbauen, da hätte man fünf Figuren rausgreifen müssen, die wirklich in Kontakt treten sollen und irgendwo hätte dann die Hysterie oder Offenbarung oder was auch immer sich entwicklen müssen. So war das alles meinem Eindruck nach nur behauptet.

      Das Buch von Thomas Helle hat mich umgehauen. Keine Ahnung, ob das gute Literatur bzw. ob das ein Roman ist. Aber das ist sehr sehr eindrucksvoll, wie er seine Krankheit beschreibt und was ihm für Beschreibungen gelingen.

      Vielen Dank fürs interessierte Zuhören und Lesen noch einmal!

  6. jancak sagte:

    Fein, daß Sie mir antworten, ja ich lese mich schon zum zweiten Mal durch die deutsche Longlisthttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/08/21/das-literaturpreis-archiv/und diesesmal werde ich mich auch wahrscheinlich durch die halbe österreichische LL lesen.https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/09/page/4/
    Bin sehr gespannt, ob Reinhard Kaiser Mühlecker, dessen literarischen Aufstieg ich schon seit einiger Zeit verfolge, auch auf die österreichische Shortlist kommt.
    a hätte ich eigentlich andere Kanditaten, aber das Buch hat mir sehr gefallen und ich bleibe dabei, nach Lewitscharoff und Melle würde ich es wahrscheinlich an dritter Stelle auf meine persönliche deutsche Shortlist setzen, müßte aber noch fünf Bücher lesen, drei warten schon in meinem Badezimmer, beim Peter Stamm meinem achtzehnten werde ich mich wieder melden.
    Werden Sie noch andere Bücher lesen oder sind Sie mit dem Longlistenlesen schon fertig?

  7. Wow! Das ist ja ein Pensum. Da komme ich nicht mit. Andre Kubicek habe ich noch gelesen (sehr hübscher Coming-of-Age Roman) und von der deutschen Shorltist interessiert mich vor allem noch Kirchhoff. Gerade muß ich aber zwischendurch mal wieder was Angelsächsisches lesen: Wirlich mit großer Begeisterung habe ich gerade Band 2 und Band 3 der Trilogie von Jane Gardam über eine Ehe bzw. eigentlich ein Dreiecksverhältnis, was über Jahre währt. Sehr interessante Erzählerin, so kreuz und quer wie sie durch die Zeiten springt. Vielleicht haben über 80jährige wie die Autorin tatsächlich einen anderen Zugriff auf die Zeit. Die ganze Konzeption der drei mal gleich und zugleich neu erzählten Geschichte finde ich ganz toll.

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